Magie, Alchemie und Pharmazie/Innerweltliche Grundlagen
Die innerweltlichen Lehren zu Magie und Alchemie werden in der Phönix-Welt durch unterschiedliche Schulen, Cabalen und Traditionen beschrieben. Eine besonders einflussreiche Darstellung ist das Eleazar Agaris zugeschriebene Traktat Ars Arcana. Agaris ist in Teilen fehlerbehaftet; seine Aussagen geben die Sicht eines Magiers und eine bestimmte Lehrmeinung wieder, nicht in jedem Punkt eine objektive Beschreibung der Schöpfung.
Elemente und Prima Materia
Nach dem in Ars Arcana erläuterten Modell bestehen alle Dinge aus fünf Elementen:
- Erde (Terra) steht für Festigkeit und Schwere.
- Wasser (Aqua) steht für Feuchtigkeit und Formbarkeit.
- Luft (Aer) steht für Flüchtigkeit und Leichtigkeit.
- Feuer (Ignis) steht für Trockenheit und verzehrende Kraft.
- Quintessenz (Quinta Essentia) verleiht Kraft, Leben und Zusammenhalt.
Als Ursprung dieser Elemente gilt in dieser Lehre die Prima Materia. Alchemisten versuchen im sogenannten Opus Magnum, die getrennten Elemente wieder zu einem Urstoff zu verbinden. Die Quintessenz nimmt dabei eine besondere Stellung ein, weil sie die verschiedenen Sphären überbrücken und magische Wirkungen ermöglichen soll.
Das Sphärenmodell
Die wahrnehmbare Welt bildet nach Agaris nur einen Ausschnitt der Realität. Das Modell ordnet die Sphären drei Gruppen zu: spirituelle, mentale und materielle Sphären. Die Sphären grenzen nicht räumlich aneinander, sondern bestehen nebeneinander; zeichnerische Anordnungen sind daher nur metaphorisch zu verstehen.
Spirituelle Sphären
- Infernalische Sphäre
- Im Volksmund die Hölle oder dämonische Sphäre. Agaris beschreibt sie als den Aufenthaltsbereich Malagashs.
- Elysische Sphäre
- Sitz verschiedener Götter und ihrer jeweiligen Domänen. Ein als Schleier bezeichnetes Hindernis entzieht das Elysium nach dieser Lehre dem unmittelbaren Blick der Sterblichen.
- Nihil
- Das grenzenlose Nichts, in dem die einzelnen Schöpfungen existieren. Agaris setzt das Nihil materiell mit der Prima Materia in Beziehung.
Mentale Sphären
- Animistische Sphäre
- Eine Projektion der Gedanken und Vorstellungen denkender Wesen.
- Somnitische Sphäre
- Die Welt, in die der Geist während des Schlafes eintaucht; sie bildet die Sphäre der Träume.
Materielle Sphären
- Mundane Sphäre
- Die gewöhnliche, mit den fünf Sinnen wahrnehmbare Welt und damit der unmittelbare Lebensraum der Sterblichen.
- Parallele Schöpfungen
- Nach Agaris bestehen mehrere Schöpfungen als parallel existierende Sphärenblasen im Nihil. Jede besitzt eine eigene Ordnung beziehungsweise Smaragdtafel. Die arcadische Sphäre wird als eine dieser parallelen Schöpfungen eingeordnet.
- Arcadische Sphäre
- Das Überbleibsel der vernichteten Schöpfung Arkadien, im Volksmund auch Feenreich genannt. Agaris zufolge wurde ein Teil dieser Welt in einer eigenen Sphärenblase bewahrt und mit der gegenwärtigen Schöpfung verankert.
- Unterwelt
- Das Totenreich. Hier warten die Seelen der Verstorbenen auf ihre Wiedergeburt.
- Ätherische Sphäre
- Der Äther enthält Sonne, Planeten und Sterne. Er verbindet die Sphären miteinander und kanalisiert nach dieser Lehre Quintessenz und Lebenskraft. Agaris ordnet diese Sphäre Arachne zu.
- Elementare Sphären
- Vier eigenständige Sphären der Luft, des Wassers, der Erde und des Feuers. Magische Wirkungen können auf die Kräfte der jeweiligen Elementsphäre zugreifen.
Das Wirken von Magie
Das Traktat beschreibt die magische Begabung als Zusammenspiel dreier Bestandteile:
- Imago ist die Fähigkeit, eine andere Sphäre wahrzunehmen und die beabsichtigte Wirkung zu formen.
- Vis ist die kontrollierte, aus dem Magier gelöste Quintessenz.
- Ritus umfasst Spruchformel, Zeichen, Handlung oder Ritual, durch das die Wirkung geordnet wird.
Imago erschließt nach dieser Lehre die passende Sphäre, Vis liefert die Kraft und der Ritus erzeugt die notwendige Resonanz. Über die Quintessenz wird die Wirkung anschließend auf die mundane Sphäre übertragen. Ein Feuerzauber wird beispielsweise als Zugriff auf die Sphäre des Feuers gedeutet, dessen Wirkung durch die Sphärenresonanz in der mundanen Welt erscheint.
Magische Disziplinen
Die verschiedenen Disziplinen nutzen unterschiedliche Wege, um Quintessenz zu formen oder über andere Mächte eine Wirkung hervorzurufen. Eine regeltechnische Übersicht befindet sich unter Magische Disziplinen.